Die letzten Kriegstage und das Kriegsende in Essen

Bild oben - Amerikaner in den Trümmern der Kruppwerke

(Bildquelle: WAZ-Zeitung)

 

Im März 1945 wurden Flugblätter über dem Ruhrgebiet abgeworfen in denen das Ruhrgebiet zum Kampfgebiet erklärt wurde.

 

Ab dem 25.März werden keine Fliegeralarme gegeben, da sich Essen in "totaler Räumung" befindet.

Am 30.März wurde die "totale Räumung" von Essen befohlen.

 

Am 5.April forderte die NSDAP die Leute in Essen-Steele dazu auf, sich um 21 Uhr auf dem Henglerplatz einzufinden. Sie sollten abtransportiert werden, doch niemand kam. Die Leute wollten bleiben !

 

Am 6.April flüchtete der politische Leiter sowie die Führungsspitze der Partei nach Winterberg, Oberbürgermeister Dillgard blieb.

 

Am 7.April beginnt der stellvertretene Gauleiter Schleßmann seine Flucht vorzubreiten. Er lässt sich Papier für sich und seine Sekretärin auf das Ehepaar Selig ausstellen.

 

Sonntag, den 8.April 1945 spricht SA-Stabschef Wilhelm Schepmann zu seinen Männern, dass die Allierten durch erheblichen Widerstand zu besigen seien.

Im Gegenzug fordert Oberbürgermeister die Leute zur Ordnung und Disziplin auf, um die Zukunft für alle zu sichern.

Gegen Mittag wird Schleßmann durch amerikanische Soldaten trotz falscher Papiere in der Eligiushöhe nahe dem Knappschaftskrankenhaus gefangen genommen. Im Gepäck - erhebliche Mengen Geld, Lebensmittel und Spirituosen.

 

Die Ruhrbrücke in Steele wurde ebenfalls am 8.April gesprengt, trotzdem rückt am 9.April die US-Armee morgens in Steele ein.

Zuvor schossen Jagdbomber die Stadt sturmreif, 85 Steeler starben. 

 

Am 10.April werden osteuropäische Zwangsarbeiter in der Zeche Christian Levin durch die Amerikaner befreit. Die Amerikaner stehen mittlerweile am Viehofer Platz.

 

Am 11.April besetzen die Amerikaner die Innenstadt durch einen Vorstoß über die Haus-Berge- und Pferdebanhstraße.

40 Hitlerjungen unter Führung eines HJ-Oberbannführers versuchen einen Vorstoß in Essen-Bredeney mit Panzerfäusten und Gewehren zu stoppen.

Der Kampf fand nahe des Pumpwerkes im oberen Teil der Bredeneyer Straße statt.

Zuvor hatten die HJ-Jungen an der Errichtung einer Panzersperre auf der Werdener Ruhrbrücke gearbeite. Der Oberbannführer konnte einen Wehrmacht Offizier davon überzeugen, die Brücke nicht zu sprengen, da diese für die Zivilbevölkerung überlebenswichtig war. Der Offizier stimmte zu, die HJ baute eine Panzersperre auf der Brücke, um die Amerikaner aufzuhalten. 

Nach Beendigung der Arbeiten an der Panzersperre setzen die HJ-Jungen mit Kähnen über die Ruhr und wurden durch Artilelrie beschossen, die Gruppe zog sich nach Velbert zurück und löste sich, nachdem sie von der Bestzung Wuppertals gehört hatte, am 17.April auf.

(Die HJ-Jungen hatten voher schon bei vielen Luftangriffen auf Essen Bergungsarbeiten mitgeholfen und gehörten zum HJ-Katastrophendienst).

 

Ebenfalls am 11.April 1945 wird die Stadt, durch Oberbürgermeister Dillgard im Essener Rathaus, offiziell und komplett an den US General Ridgway übergeben.

Es wurde nur noch geringfügig Widerstand geleistet und die Amerikaner hatten nur geringe Verluste.

 

Beim Kampf um das "Ruhr Pocket" wurden ca. 317.000 Gefangene genommen.

 

Die Innenstadt ist zu fast 90% zerstört, der Gesamtzerstörungsgrad beträgt ca.52%, die Einwohnerzahl sank von 648.000 (vor dem Krieg) auf 310.000. Ca. 7000 Menschen verloren ihr Leben durch die Luftangriffe. Ca. 36000 Tonnen Bomben wurden abgeworfen.

Die Straßen waren von Millionen Kubikmeter Schutt bedeckt, Krater und Bombentrichter bestimmten das Landschaftsbild.

Je ca. 25.000 Gebäude waren zerstört oder schwer beschädigt, 250.000 Wohnungen leicht bis total zerstört.



Nachfolgend ein Sterbebild eines Volksturmanns welcher am 7.April in Essen gefallen ist.

In den letzten Kriegstagen erschossen ...

Am 30.März 1945 befahl Gauleiter Schleßmann "den Raum Essen total zu räumen, wenn notwendig mit Gewalt".

Dieses namen auch 3 junge Angehörige der Wehrmacht aus Essen-Borbeck zur Kenntnis.

Hans van der Mee (21), Helmut Hawes (17) und Johann Hansjosten (17) waren auf Heimaturlaub während sie die Meldung des Gauleiters hörten.Sie beschlossen, nicht mehr zur Truppe zurück zukehren und auf die Befreiung durch die Amerikaner zu warten.

Sie versteckte sich in der Wohnung von Helmus Hawes Mutter. Dieses ging bis zum 4.April gut, danach wurden sie durch einen Nachbarn verraten.

Die 3 wurden durch einen Polizisten und 2 Volkssturmmänner verhaftet. 2 Tage später wurden sie durch ein Standgericht in Essen-Werden wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt.

Am Morgen des 7.April 1945 wird das Urteil vollzogen. An diesen Tag hatten die Amerikaner bereits um 3 Uhr morgens den Rhein-Herne Kanal in Essen-Karnap überschritten und standen in Essen.

Die 3 Jungen wurden an Pfähle gebunden und durch ein Kommando erschossen.

(Bildquelle: WAZ-Zeitung)

Krupp und die englische Besatzung

Eines der höchsten Ziele der Allierten war die Zerstörung Waffenproduktion des Deutschen Reiches. Dieses Ziel wurde konsequent verfolgt.

Am 11.April 1945 wurde Alfried Krupp durch ein amerikanisches Kommando in seiner Villa Hügel verhaftet. Sein Vater Gustav hatte sich, schwer krank, auf das Jagdschloß Blühnbach bei Salzburg zurück gezogen.

 

Im November 1946 wurde das Gelände der Villa Hügel von britischen Panzertruppen besetzt, Oberst Doulglas Fowles wurde als "Controller" für Krupp eingesetzt.

Sein Ziel war die völlige "Vernichtung" Krupps. Seine persönlichen Worte an die Hauptverwaltung und Abteilungsleiter von Krupp:

"Da draußen, meine Herren, wird nie wieder ein Schornstein rauchen. Wo einmal das Gußstahlwerk stand, werden Gras und Kraut wachsen. Die britische Militärregierung hat beschlossen, mit Krupp für alle Zeiten Schluß zu machen. Das ist alles meine Herren."

 

In diesem Fall irrte Foeles jedoch, es kam, wie es Alfried Krupp selber sagte:

"Ich werde selbstverständlich meine Werke wieder aufbauen und die Produktion aufnehmen. Wie Sie wissen, bin ich ein Geschäftsmann und kein Politiker."

 

Zuerst wurden im Jahre 1947 jedoch die intakten Hüttenwerke aus Essen-Borbeck demontiert und in der Sowjetunion, England und Jugoslawien wieder aufgebaut.

 

Erst langsam wurde die Produktion wieder aufgenommen, da bis 1950 in Essen Gebäude gesprengt und demontiert wurden.

Da alles gehörte zum Plan der Allierten, die Kruppwerke für immer zu zerschlagen. Die heutige B224 wurde gebaut, um die Kruppflächen zu zerschneiden. Entlang dieser wurden die Werke jedoch neu aufgebaut.

 

Alfried Krupp wurde am 31.Juli 1947 von einem Militärgericht zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, sein Vermögen sollte komplett eingezogen werden.

US-Militärgouverneur General Lucius D.Clay hob später aber die Einziehung des Vermögens auf, die Gefängnisstrafe blieb jedoch.

Links Brigadier C.D.Marley (Chef der Norddeuthschen Kohle-Kontrolle) mit seinem Stellvertreter Brigadier K.H.Noel vor der Villa Hügel

(Bildquelle: WAZ-Zeitung)