Das Verwundetenabzeichen des 1.Weltkrieges (VWA)

Der 1.Weltkrieg war in vieler Hinsicht als andere Kriege zuvor - er war eine Materalschlacht. Das galt auch für das "Material" Mensch bzw. Soldat.

Es wurden zigtausende Soldaten im Kampf verwundet und wurden nach der Genesung wieder in die Fronttruppenteile zurück geschickt. Das musste nicht immer die Truppe gewesen sein, in der der Soldat zuletzt gedient hat.

Meist, sofern die "Heldenbrust" noch frei von Orden war, wurde der Neuzugang meist als "Frischling" betitelt und kaum beachtet.

 

Diese Art der Behandlung führte zu immer mehr Unmut und ein Sturmgrenadier namens "Paul Kredlow" überlegte sich ein Abzeichen, das einen verwundeten Frontkämpfer ausweisen sollte. Er selber war von dieser Situation selber betroffen (Veteran an der West- und Südfront, selber 4x verwundet).

Im Spätsommer 1917 sendete er seinen Vorschlag mit Skizze an den Ordensjuwelier Godet in Berlin-Charlottenburg.

Einige Zeit später, wurde ihm bekannt gegeben, dass sein Vorschlag angenommen wurde und das "Verwundetenabzeichen" gestiftet wurde.

 

(Quelle: Uniformmarkt)

Das Verwundetenabzeichen wurde am 3.März 1918 durch Kaiser Wilhelm II mit folgenden Worten gestiftet:

 

"Ich will den im Dienst des Vaterlandes Verwundeten als besondere Anerkennung ein Abzeichen verleihen. Das Abzeichen soll die auszeichnen, die für die Vaterland geblutet haben oder im Kriegsgebiet durch feindliche Einwirkung ihre Gesundheit verloren haben und infolgedessen dienstunfähig geworden sind."

 

Zuerst war die Verleihung nur auf preußische Staaten beschränkt, ab dem 11.März 1918 dann auch für bayrische Königreich und andere Staaten. Am 24.Juni 1918 wurde das Verwundetenabzeichen der Marine gestiftet, ab dem 8.Juli 1918 konnten auch koloniale Truppen ausgezeichnet werden.

 

Das Abzeichen wurde in 3 Stufen gestiftet:

  • Schwarz für 1-2malige Verwundung
  • Mattweiß für 3-4malige Verwundung
  • Mattgelb für 5 und mehrmahlige Verwundung

Das Abzeichen des Heeres zeigt einen Stahlhelm Modell 16 (M16), der auf 2 gekreuzten Schwertern liegt. Der Intergrund ist gekörnt, das ganze wird vom einem Lobeerkranz umschlossen. Auf der Rückseite befindet sich eine Nadel zur Befestigung an der Uniform.

 

Das Abzeichen der Marine zeigt einen Anker auf gekörnten Hintergrund, auf dem 2 gekreutze Schwerter leigen. Umrankt wird es von einer Ankerkette.

 

Verliehen wurden sie Abzeichen bis Anfang der 20er Jahre durch die Stäbe der Einheiten und Bezirkskommandos.

 

Ab dem 30.Januar 1933 konnten Anträge für die Verleihung des VWA bei den Versorgungsämtern eingereicht werden. Es reichte ein Nachweis über die Verwundung mit militärischer Beglaubigung.

Damit konnten Ansprüche auf Invalidenrente etc. geltend gemacht werde.

Verleihungen sind bis in die 40er Jahre bekannt.

 

Ab dem 30.Januar 1936 konnte das VWA auch unabhängig von der Anzahl der Verwundungen verliehen werden.

 

Mattweiß:

  • Verlust einer Hand, Fuß, Augapfel, des Gehörs auf beiden Ohren, schwere Hirnverletzung oder wegen schwerer Entstellung des Gesichtes

Mattgelb:

  • Erblindung oder wer Pflegezulagenempfänger war

Nachfolgend Beispiele für das VWA in allen 3 Stufen (Schwarz - Mattweiß - Mattgelb) und in der inoffiziellen durchbrochen Variante

Nachfolgend Beispiele für das VWA der Marine in Schwarz und Mattweiß

Nachfolgend eine sehr frühes Besitzzeugnis für das VWA vom 28.April 1918. Man geht davon aus, dass die ersten Abzeichen Anfang April verliehen wurden.

 

Nachfolgend eine Urkunde zum VWA Schwarz aus dem Dezember 1918, dazu ein Schreiben, dass das Abzeichen zur Zeit nicht vorrätig ist und selbst beschafft werden muss

Nachfolgend Beispiele für Verpackungsmaterialien wie Tüten, Kartons, Wickelpapier und Blister wie sie im freien Handel der 20/30er Jahre zu erwerben waren.

Nachfolgend 2 Begleitzettel für Verwundete, diese wurden dem Verwundeten an die Uniform gebunden. Es wurden darauf die Art der Verwundung, Datum und letzte Versorgung notiert, um eine schnellere Behandlung zu ermöglichen

Nachfolgend ein Antrag zur Verleihung des VWAs. Diese wurden durch die Versorgungsämter in den 30/40er Jahren vorgenommen, da durch Verwundungen eventuelle Ansprüche aus Rente etc gegeben waren

Nachfolgend ein Berechtigungsausweis für das Verwundetenabzeichen in Schwarz, ausgestellt am 31.August 1937 vom Versorgungsamt Essen.

 

Darunter ein Ausweis vom 03.Februar 1937.

Das Verwundetenabzeichen des 2.Weltkrieges

 

Sogenannte "Legion Condor VWA"

 

Am 22.Mai 1939 wurde das Verwundetenabzeichen von Adolf Hitler erneut gestiftet und zwar für die Verwundeten Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg von Juli 1936 bis April 1939.

Verleihungsgrundlagen waren die gleichen wie noch 1918 und die Erweiterung von 1936.

Frühere Verwundungen, bei denen schon ein VWA verliehen wurden, werden angerechnet. 

Allerdings wird nur auf die Abzeichen in Schwarz und Silber (anstatt Mattweiß) eingegangen.

 

"Als ehrendes Erinnerungsabzeichen für diejenigen deutschen Freiwilligen, die bei Niederwerfung des Bolschewismus im spanischen Freiheitskampf 1936/1939 als Angehörige der Legion Condor oder im Zusammenhang mit ihrem Einsatz sowie als Angehörige der an Kampfhandlungen in spanischen Gewässern beteiligt gewesenen deutschen Kriegsmarine durch feindliche Kampfmittel verwundet oder beschädigt wurden, stifte ich ein Verwundeten-Abzeichen."



Das Abzeichen ist das gleiche wie des 1.Weltkrieges, jedoch mittig aus dem Helm befindet sich ein auf der Spitze stehendes Hakenkreuz.

Eine eigenes Abzeichen für die Marine wurde nicht gestiftet, es gab nur das "Heeresabzeichen" für alle Truppengattungen.

 

Fälschlicher Weise wird immer noch angenommen, dass es ein eigenes VWA für die Legion Condor (LC) gab (es wird gerne versucht, eine physische Unterscheidung der 1.Form VWA zu finden, die man dann als VWA der LC betitelt). Dies ist jedoch nicht der Fall.

Verleihungen an Angehörige der LC sind unter anderem aus den frühen Monaten des Jahres 1940 bekannt, diese haben dann auch das Abzeichen der 2.Form verliehen bzw. ausgehändigt bekommen.

 

Demnach wird bei den Abzeichen in die 1.Form (1.WK mit Hakenkreuz) und in das der 2.Form (neue Form) unterschieden.

 

Die Abzeichen der 1.Form sind am Anfang des Krieges hergestellt worden und somit auch dort verliehen worden.

Die Abzeichen der 2.Form wurden ab 1940 produziert. Verleihungen von Stücken der 1.Form sind jedoch bis hin in das Jahr 1942, sogar 1943 bekannt. Demnach wurden die Restbestände aufgebraucht und ausgegeben.

Nachfolgend alle 3 Stufen des VWA 1.Form (Gold - Silber - Schwarz)

Nachfolgend Beispiele für Varianten der 1.Form:

  • VWA Silber 1.Form hohl verbödet
  • VWA Schwarz 1.Form durchbrochen
  • VWA Schwarz 1.Form mit stilisiertem M35 Stahlhelm

Am 1.September 1939, zu Beginn des Krieges mit Polen, wurde das Verwundetenabzeichen erneut gestiftet:

 

"Als Ehrung für diejenigen, die bei tapferem Einsatz ihrer Person für das Vaterland durch feindliche Waffeneinwirkung verwundet oder beschädigt wurden, stifte ich das Verwundeten-Abzeichen."

 

Verliehen wurde es in 3 Stufen:

  • Schwarz für 1-3malige Verwundung
  • Silber für 3-4 malige Verwundung
  • Gold für 5 und mehrmalige Verwundung

 

Frühere Verwundungen, bei denen schon ein VWA verliehen wurden, werden angerechnet.

Das Abzeichen glich dem des 1.WK, jedoch war der Stahlhelm nun ein Modell 1935 (M35).

 

Verleihungsberechtigt waren Deutsche und Volksdeutsche, die bei Kampfhandlungen unter "tapferen Einsatz der Person" verwundet wurden.

Später kamen noch folgende Personengruppen hinzu, an die das VWA verliehen werden konnten:

  • ausländische Freiwillige, die auf Hitler vereidigt waren
  • Zivilisten, die im Bombenkrieg verwundet wurden

Es wurde nicht posthum oder an im Kampf Gefallene verliehen.

 

Das VWA konnte auch unabhängig von der Anzahl der Verwundungen verliehen werden:

 

Silber (bei Versehrtenstufe III)

  • Verlust eines Arms oder Beins
  • Verlust beider Füße/Unterschenkel
  • praktische Erblindung beider Augen /Fingerzählen in 2 Meter Entfernung nicht möglich)
  • abstoßende Entstellung des Gesichts
  • völlige Versteifung der Wirbelsäule
  • Hirn-/Rückenmarksverletzung mit schweren Funktionsstörungen

Gold (bei Versehrtenstufe IV)

  • Verlust beider Arme oder Beine
  • Verlust von Hand oder Fuß an 3 oder mehr Gliedmaßen
  • Verlust eines Beines und Hand
  • vollständige Erblindung (Fingerzählen nicht möglich)
  • Hirn-/Rückenmarksverletzung mit schwersten Funktionsstörungen

Verwundete der Versehrtenstufe III und IV konnte das EK2 verliehen werden, desweiteren konnte sie um einen Dienstgrad überplanmäßig befördert werden (Renten- und Pflegeansprüche wegen).

Nachfolgend ein Rohling aus Feinzink des VWA 2.Form mit Herstellermarkierung L24

Nachfolgend alle 3 Stufen des VWA der 2.Form (Gold - Silber - Schwarz)

Verpackungsmaterial für Verwundetenabzeichen

Für das VWA gabs es diverse Verpackungsmaterialen:

  • Tüten
  • Etuis
  • Schachteln

 

Bei den Tüten gibst es welche für das VWA Schwarz und Silber (goldene sind bisher nicht bekannt, zumindestens keine gesicherten Originale) und Universaltüten der LDO ( Leistungsgemeinschaft der Deutschen Ordenshersteller).

 

Etuis gab es für das VWA Silber und Gold, dort unterscheidet man in Halbetuis (ohne Drücker) und Volletuis (mit Drücker).

 

Schachteln gab es für alle 3 Stufen des VWA.

 

Nachfolgend sind ein paar Beispiele für Verpackungen abgebildet.

Nachfolgend ein typisches Set für ein VWA Silber des Hersteller Wächtler & Lange, Mittweida, bestehend aus Verpackungstüte, Wickelpapier und Abzeichen selber. Das VWA wurde in das Wickelpapier verpackt und dann in die Tüte gesteckt.

Nachfolgend 2 weiter Beispiele für Verleihungstüten. Links für das VWA Schwarz (Carl Wild) und rechts eine Universaltüte der LDO (Deschler & Sohn gemarkt)

Nachfolged ein Set des Hersteller L/11 (Wilhelm Deumer, Lüdenscheid) bestehend aus einem blauen LDO Pappetui mit dem Logo der 1.Form. Passend dazu der LDO Beipackzettel und eine Miniatur.

Auf der Rückseite der Schachtel steht "Verwundetenabzeichen, Original L/11", dazu das Firmenlogo mit der "Deumer Biene"



Nachfolged ein Set des Hersteller L/53 (Hymmen & Co., Lüdenscheid) bestehend aus einem roten LDO Pappetui mit dem Logo der 2.Form. Passend dazu der LDO Beipackzettel.

Auf der Rückseite der Schachtel steht "Verwundetenabzeichen Original Schwarz 1939 L/53"

Nachfolgend eine Universal-Pappschachtel mit einem VWA Gold

Nachfolgend eine Universal-Schiebeschachtel mit einem VWA Silber

Nachfolgend 2 aufgeklappte Etuis für das VWA Silber und Gold

Nachfolgend ein Etui für das VWA Gold mit LDO Aufdruck der 1.Form. Dazu auf der Rückseite der Herstellerstempel L/11 (Wilhelm Deumer, Lüdenscheid)

Nachfolgend ein Etui für das VWA Silber mit LDO Aufdruck der 1.Form. Dazu auf der Rückseite der Herstellerstempel L/11 (Wilhelm Deumer, Lüdenscheid). Dazu ein Aufkleber mit Preisschild - 2,60 Reichsmark

Nachfolgend ein Etui für das VWA Gold. Auf der Rückseite der Herstelleraufkleber Hauptmünzamt Wien III.

Verwundetenabzeichen außerhalb der "Norm"

In den frühen Kriegsmonaten gab es noch keine einheitliche Regelung durch eine Behörde, welche die Produktion von Orden/Ehrenzeichen überwachte.

 

Demzufolge gab es auch VWA, die nicht der "heutigen Norm" entsprechen. Dazu gehören unter anderem Abzeichen in Silber und Gold in hohl geprägter Form.

 

Dazu zählen z.B. Stücke im Deschler/Wiedmann Design (wegen der Übergröße des Stahlhelms sehr markant).

 

Oder etwa die Stücke von Eduard Hahn (Messingstücke mit "EH" im Helm markiert). Diese Stücke wurden erst vergoldet, (wahrscheinlich) nach dem Verbot, dass Abzeichen in Silber/Gold in massiv zu fertigen waren, wurde das Stück geschwärzt und wanderte als "VWA in Schwarz" auf den Markt.

 

 

Es gibt auch massive VWA mit Herstellerpunze L14, die geschwärzt sind.

Nachfolgend 2 besagte Stücke von Eduard Hahn:

Beim ersten Stück sieht man schön unter den Abplatzungen die Vergoldung, beim 2. Stück, sieht man gut das Messing unter der Vergoldung

Nachfolgend 3 spezielle VWA der 2.Form:

  • VWA Gold in hohl mit übergroßem Helm (Deschler/Wiedmanndesign)
  • VWA Silber in hohl mit übergroßem Helm (Deschler/Wiedmanndesign)
  • VWA Schwarz in massiv

Verwundetenabzeichen aus Stoff

 

Ende März 1944 wurde das Heerespersonalamt von der Präsidialkanzlei angewiesen, VWA aus bedruckten Stoff herzustellen. (Schriftwechsel bekannt).

Dies geschah, da es zu einem Engpaß in der Herstellung der Stücke aus Metall gekommen ist.

Demnach sollten die Stoff-VWA ausgeben werden und nach Überwindung der Metallkrise gegen reguläre Stücke ausgetauscht werden.

 

Bisher ist noch kein Trägerphoto ausgetaucht, dass das Stoffabzeichen in Tragung zeigt.

Auch ist (noch) nicht bekannt, wie und welche Stücke ausgeben wurden.

 

Nachfolgend alle 3 Stufen des VWA 2.Form in der gedruckten Stoffvariante. Diese sind auf der Rückseite mit einer Art Kleber versehen (mMn. dient dieser dazu den Stoff nicht ausfransen zu lassen)

Nachfolgend verschiedene Begleitzettel für Verwundete, innerlich Kranke, Kampfstoffverletzte etc., diese wurden dem Verwundeten an die Uniform gebunden. Es wurden darauf die Art der Verwundung, Datum und letzte Versorgung notiert, um eine schnellere Behandlung zu ermöglichen



Nachfolgend ein Stück Mull und ein Splitter, durch den ein Soldat verwundet wurde. Es hat diesen als Andenken aufbewahrt

Nachfolgend 2 Urkunden für das Verwundetenabzeichen:

  • VWA Schwarz für eine Frau, verwundet bei einem Luftangriff auf Hamburg
  • VWA Gold für einen Unteroffizier für eine Verwundung

Nachfolgend ein Besitzzeugnis für das Verwundetabzeichen in Gold, ausgestellt am 20.August 1945. Also in der Nachkriegszeit, davon zeugt auch der Titel des Beliehenem "dem ehemaligen Unteroffizier .."